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Beschäftigungsverbot für werdende und stillende Mütter

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Fast allen Tierärztinnen und deren Arbeitgebern ist bekannt, dass gerade in der Nutztierpraxis die Gefahren für werdende Mütter und deren ungeborene Kinder groß sind und es somit zu einem Beschäftigungsverbot (§ 4 Mutterschutzgesetz) kommen kann. In diesem Fall erhält die Angestellte weiterhin 100 % ihres Lohnes bis zum Beginn des Mutterschutzes. Dem Arbeitgeber werden alle Kosten von der entsprechenden Krankenkasse erstattet. Was viele jedoch nicht wissen: Diese Regelung zum Schutz der Mutter und des Kindes gilt ebenfalls in der Stillzeit.

Hier gibt es jedoch einiges zu bedenken. Denn ob es mit dem Stillen klappt, zeigt sich schließlich erst in den ersten Wochen nach der Entbindung. Vielen Krankenkassen reicht eine Stillbescheinigung des Frauenarztes und ein Schreiben des Arbeitgebers, in dem er ein Beschäftigungsverbot für die Dauer der Stillzeit ausspricht. Die meisten Kassen erstatten ohne Probleme den Lohn bis zum ersten Geburtstag des Kindes. Danach sind sie in bestimmten Fällen (zum Beispiel Neurodermitis des Babys) auch bereit, eine längere Stilldauer zu unterstützen.

Sinnvoll ist es, schon in der Schwangerschaft mit dem Arbeitgeber, der Krankenkasse und der Elterngeldstelle in Kontakt zu treten und über den Stillwunsch zu sprechen. Unter bestimmten Bedingungen zahlt die Elterngeldstelle zusätzlich während des Beschäftigungsverbots die monatliche Mindestsumme von 300 Euro, da für sie nur zählt, dass die Mutter nicht arbeitet.

Vor allem die Mitarbeiter an den Hotlines der Krankenkassen sind oft schlecht oder gar nicht über ein Beschäftigungsverbot in der Stillzeit informiert. Hier sollte sich frau nicht mit der Aussage „Das gibt es nicht!“ abspeisen lassen, sondern darauf bestehen, mit einer zuständigen Abteilung verbunden zu werden.

Einen Nachteil gibt es jedoch: Während eine Kündigung in der Elternzeit nicht zulässig ist, kann sie bei einem Berufsverbot ab vier Monate nach der Entbindung ausgesprochen werden.

Alles in allem ist es ein Privileg, das erste Lebensjahr des Kindes bei vollem Gehalt zu genießen, und vielleicht eine kleine Entschädigung für den manchmal recht harten Berufsalltag in der Nutztierpraxis.

Autorin: Dr. Inke Siewers, Rindertierärztin in Schleswig-HolsteinSchleswig-Holstein

E-Mail: i.siewers@web.de

19 Kommentare

  1. Das gilt übrigens auch für die Kleintierpraxis, hat meine Kollegin so gemacht. Regelmäßiger Nachweis, dass frau auch wirklich stillt, ist aber erforderlich.

  2. Danke!
    Wißt ihr, unter welchen Bedingungen die Elterngeldstelle die 300€ zahlt?
    Danke
    Der Rolf

    • Hallo,
      die Bedingungen für das Elterngeld würden mich auch sehr interessieren bzw. an wen ich mich da für nähere Informationen wenden kann?
      Vielen Dank schon mal!
      Das mit den regelmäßigen Nachweisen ist aber von der Krankenkasse abhängig.

      • Hallo, eine kurze Nachfrage zum Verständnis: Suchst du Informationen zu
        – Elterngeldzahlung während Elternzeit
        oder
        – Elterngeldzahlung während Berufsverbot in Stillzeit (s. Artikel)?

        Es gibt einen kostenlosen Ratgeber zum Thema Elterngeld/Elternzeit, der ist ziemlich gut und die Bedingungen, die erfüllt sein müssen, damit die Elterngeldstelle Elterngeld zahlt, sind für Tierärztinnen nicht anders als für andere Berufsgruppen.
        http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/Service/Publikationen/publikationsliste,did=194764.html

        Eine Bedingung für die Zahlung von Elterngeld ist, dass man Elternzeit nimmt, d.h. seine Arbeitszeit reduziert bzw. gar nicht arbeitet und somit auf einen Teil des Gehalts bzw. auf das gesamte Gehalt verzichtet. Der Staat zahlt dann als Ersatzleistung das Elterngeld. Geht man den im Artikel beschriebenen Weg (Beschäftigungsverbot während Stillzeit), nimmt man ja gerade keine Elternzeit und verzichtet somit auch nicht auf Gehalt, denn das bekommt man ja in voller Höhe während des Beschäftigungsverbotes weiter ausgezahlt. Der Staat muss also auch keine Entgeldersatzleistung erbringen, denn die Mutter hat ja nicht weniger Gehalt als vor der Entbindung. Die Bedingungen für die Zahlung von Elterngeld sind somit nicht erfüllt. Und auch die Mindestzahlung von 300 Euro Elterngeld, die diejenigen bekommen, die vor der Entbindung kein Arbeitseinkommen hatten, bekommt man im Beschäftigungsverbot während der Stillzeit nicht noch on top zu seinem Gehalt.

        So, wenn das die Frage war, hoffe ich, dass das ein wenig weiter hilft.

        • Habe gerade noch mal gelesen, dass im Artikel steht, dass die Elterngeldstelle unter bestimmten Umständen die 300 Euro auch während des Beschäftigungsverbotes zahlt. Vermutlich bezieht sich deine Frage also auf die Bedingungen, die dafür erfüllt sein müssen. Da muss ich dann leider passen, ich kann nur sagen, dass meine Kollegin es jedenfalls nicht bekommen hat, als sie ein Beschäftigungsverbot während der Stillzeit hatte.

  3. Wie interessant!!! Man kann also auch in der Stillzeit Berufsverbot bekommen? Darüber werde ich mich auf jeden Fall nochmal genauer informieren! Vielen Dank für diese wertvolle Anregung!

  4. Mich würde interessieren, ob man nach dem Beschäftigungsverbot, also nach dem Abstillen, noch Elternzeit beantragen kann. Darf der Arbeitgeber diesen ablehnen?

  5. Hallo! Ja, nach dem Beschäftigungsverbot darfst Du in die Elternzeit gehen. Musst halt nur die 2Monate Mutterschutz abziehen. Also 12-2 (EG), bzw.24-2(EG-Plus). Der Vater des Kindes ist hier jetzt außen vor.

  6. Susanne, das ist interessant!
    Mein Mann und ich sind im Moment in der Situation, dass ich wahrscheinlich ein BV bekomme und er für ein paar Monate Elternzeit nehmen wird.
    Nun hat uns die Elterngeldstelle aber gesagt, dass man nur 1x (!) Elternzeit beantragen kann, wobei die 8 Wochen Mutterschutz schon als ‚beantragt‘ gelten. Im Klartext: Wenn ich theoretisch dann nicht stillen kann, kann ich NICHT wieder Elternzeit beantragen, sondern MUSS arbeiten gehen. Klingt für mich sinnfrei…
    Es scheint, als wärst du gut informiert. Hast du zufällig eine Quelle für mich?

    • Hallo, ich habe zwar leider keine konkrete Antwort auf deine Frage, jedoch hat meine Kollegin es so gemacht, dass sie keine Elternzeit genommen hat, sondern gestillt hat und ein BV bekommen hat. Auf meinen Einwand damals, was den wäre, wenn das mit dem Stillen nicht oder nach einiger Zeit nicht mehr klappt, meinte sie, dass sie dann Elternzeit nehmen könnte. Aber so etwas muss doch die zuständige Elterngeldstelle definitiv wissen. Ich möchte nur noch anmerken, dass das mit dem Stillen keine Selbstverständlichkeit ist, frau sollte sich nicht darauf verlassen, dass es klappt. (Eigene Erfahrung bei drei Kindern) Also falls es wirklich so sein sollte, dass man dann keine Elternzeit mehr beantragen kann (was ich nicht glaube), dann würde ich mir wirklich überlegen, ob ich das Risiko eingehe würde (es sei denn, du bist bereits erfahrene Still-Mama). Ein Problem könnte nur sein, dass man die Elternzeit ja sieben Wochen vor Beginn beantragen muss und manchmal kann das mit dem unfreiwilligen Abstillen ja sehr schnell gehen, ich frage mich, was dann mit der Frist ist, selbst wenn man dann Elternzeit beantragen darf.

      • Nachtrag: Bei meiner Kollegin hat der Mann keine Elternzeit beantragt. Sie ist nach dem Mutterschutz ins BV gegangen und hatte also vorher nie einen Elternzeitantrag gestellt. Das ist bei dir ja anders, wenn dein Mann Elternzeit beantragt, daher kann es in dem Fall dann wohl doch sein, dass es schon einen Antrag gab und es im Falle des Abstillens ein Problem gibt.

    • Hallo Jenny,

      Elternzeit kannst Du sooft du willst beantragen. Was man beachten muss, ist folgendes:
      1) Elterngeld kann nur 1x pro Elternteil beantragt werden
      2) Die Mutterschutz-/Mutterschaftsgeldwochen 8 Wochen nach der Geburt werden als Eltergeldmonate gerechnet – zählen aber definitiv nicht als Antrag
      3) dem Arbeitgeber muss 7 Wochen vor Antritt der Elternzeit mitgetelt werden, dass man dies vorhat – er hat hier kein Recht, dies abzulehnen.
      4) hat man sich entschieden später noch einmal Elternzeit zu nehmen, muss das mit dem Arbeitgeber abgesprochen werden – in diesem Fall kann er ablehnen oder einen anderen Zeitpunkt vorschlagen
      Als Beispiel mein persönlicher Fall:
      Ich bin Tierärztin und bin daher seit nach dem Mutterschutz im Berufsverbot (mein Arbeitgeber kann keinen sicheren Arbeitsplatz ohne Infektionsgefahr und ohne Umgang mit gefährlichen Stoffen garantieren) solange ich stille (siehe Mutterschutzgesetz). Die Krankenkasse zahlt 1 Jahr ohne Probleme – über das Jahr hinaus in der Regel aber nur bei Vorliegen einer schweren Erkrankung des Kindes (Neurodermitis o.ä.). Mein Mann hat in den Lebensmonaten 2-4 sowie 7 Elternzeit mit Elterngeld genommen und jetzt habe ich für den 13. und 14. Lebensmonat dies auch noch einmal beantragt. Bei weiteren Fragen stehe ich Dir gerne zur Verfügung 😉

  7. Hallo,
    weiß jemand wie das dann ist, wenn man ein BV in der Stillzeit haat, dann kann der Arbeitgeber einen doch jederzeit kündigen, oder? Künsigungsschutz ist ja nur bis 4 Monate nach der Entbindung. Und ich habe gehört in dem Fall, des BV in der Stillzeit muss der Arbeitgeber das BV aussprechen? Was ist, wenn er sagt man soll dennoch ein paar Stunden arbeiten kommen, er stellt einem einen Raum? Kann dann der Arzt nochmal ein individuelles BV aussprechen wie in der Schwangerschaft?

  8. Hallo,
    der Artikel ist wirklich sehr interessant.
    Weiß jemand wie das dann mit dem Weihnachts- und Urlaubsgeld ist?
    Beim Beschäftigungsverbot während der Schwangerschaft habe ich Urlaubsgeld bekommen. Also müsste es nun auch einem zustehen oder?

    • Hallo Maite,
      kannst Du noch ein bisschen genauer sagen, was Du mit „nun“ meinst? Meinst du während der Stillzeit?
      Nur so ein erster Gedanke: Was steht denn in Deinem Arbeitsvertrag zum Thema Weihnachtsgeld? Oder war das eine freiwillige Leistung?
      Viele Grüße
      Christina

  9. Hallo zusammen!
    Ich habe zu dem Thema auch eine Frage.
    Ich bekomme im Januar mein erstes Kind und mein Arbeitgeber hat ein Berufsverbot während der stillzeit ausgesprochen.
    Meine Frage: angenommen ich stille die ersten 10 Monate und möchte danach Elternzeit und Elterngeld beantragen wann und wie muss ich das mschen und bin ich dann zu Beginn der Elternzeit wieder im Kündigungsschutz?
    Wenn jemand eine Antwort für mich hätte wäre das Prima
    Liebe Grüße
    Nina

  10. Hallo zusammen,
    Ich werde im Januar zum ersten Mal Mutter und mein Chef hat ein arbeitsverbot in der stillzeit angeordnet..
    Jetzt zu meiner Frage:
    Nehmen wir mal an ich stille 6 Monate und beantrage dann Elternzeit bin ich dann wieder im Kündigungsschutz?
    Liebe Grüße
    Nina

  11. Wenn ich während der Elternzeit wieder schwanger werde, kann ich diese mit Zustimmung des AG vorzeitig beenden um wieder ins BV zu kommen?

    • Die eine EG-Stelle (meine), sagte mir JA, ich beende die EZ dann einfach vorzeitig. Als ich bei der EG-Stelle im Landkreis nebenan angefragt hatte, sagte die Dame, dass ich mir nun ja nicht überall die Rosinen rauspicken kann 😂.

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