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Tierärztin und Mutter? Geht nicht – oder doch?

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„In der Praxis arbeiten? Du, ich hab 2 kleine Kinder, da weiß ich nicht, wie das gehen soll.“ Wenn ich mich so in meinem Freundes- und Bekanntenkreis umschaue, scheint eines klar zu sein: Praktische Tierärztin und gleichzeitig Mutter kleiner Kinder zu sein, das scheint eine Kombination zu sein, die so nicht funktioniert. Aber woran liegt das?

Spurensuche: Was sind die Ursachen?

Studien zu diesem Thema kenne ich keine – außer der Dissertation von Bettina Friedrich zur Situation von Praxisassistentinnen aus dem Jahr 2006. Sie konnte bereits zeigen, dass nur 20 % der Tierärztinnen tatsächlich wieder Vollzeit arbeiten, wenn sie Mutter sind. Stattdessen arbeiten knapp 58 % der Tierärztinnen weniger als 24 Stunden die Woche, also „halbtags“. Wenig überraschend: 80 % der Tierarzt-Väter arbeiten wieder Vollzeit. Die Datenlage ist also eindeutig: Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren scheint für Tierärztinnen schwierig bis unmöglich zu sein. Schon vor 6 Jahren forderte B. Friedrich deshalb:

„Um praktisch tätigen Tierärztinnen (und -ärzten) die Vereinbarkeit des Berufes mit der Familie zu erleichtern und einen Verzicht auf Familie zu Gunsten der Berufsausübung gerade bei Frauen zu verhindern, ist die Erhaltung und Schaffung neuer adäquater (Teilzeit-)Stellen unabdingbar. Familienfreundliche Maßnahmen am Arbeitsplatz (wie Job-Sharing, Kinder-Notbetreuung am Arbeitsplatz, geregelte Arbeitszeiten etc.) und insbesondere die Notwendigkeit der starken Erweiterung staatlicher Kinderbetreuungsplätze erscheinen besonders geeignet, um Tierärztinnen und -ärzten mit Kindern die Tätigkeit als Praxisassistent/in zu ermöglichen […].“

Nun sind ja bereits 6 Jahre ins Land gegangen. Unsere Regierung hat allen Müttern versprochen, dass sie in wenigen Monaten einen Anspruch auf Kinderbetreuung für Unter-3-Jährige haben. Dass das kaum einzuhalten ist, ist mittlerweile kein Geheimnis mehr. Aber das ist meines Erachtens nicht die einzige Ursache dafür, dass Tierärztinnen – sobald sie Mutter werden – nicht mehr praktisch arbeiten.

Nun bin ich ja bekanntermaßen keine praktische Tierärztin – aber ich spreche mit vielen und kenne viele persönlich. Die meisten dieser Mütter sind promoviert und waren einmal auf einem guten Weg, Fachtierärzte zu werden – ganz zu schweigen von Ihrer Begeisterung für Ihren Beruf. Sie sind also hoch qualifiziert und motiviert. Leider kenne ich lediglich eine Frau, die es tatsächlich heute noch schafft, mit 2 Kindern in einer Tierklinik tätig zu sein – „halbtags“. Alle anderen sind entweder „berufsfremd“ tätig (so nennt das dann die Statistik der Bundestierärztekammer) oder arbeiten als Wissenschaftliche Angestellte in der Universität, bei diversen Pharmaunternehmen oder eben gar nicht. Warum?

Die Gründe sind meist die selben: Weil…

  • Halbtagsstellen noch immer eher die Seltenheit sind (oder als solche bezeichnet werden, de facto aber mehr Stunden bedeuten – ganz davon abgesehen, dass das Geld, das man mit einer Halbtagsstelle verdient, häufig nicht ausreicht, um einen ernsthaften Beitrag zum Familieneinkommen zu leisten).
  • die Arbeitszeiten oft eine zu große Flexibilität erwarten – die man leider von Kitas und Kindergärten nicht erwarten kann. Und aufgrund der Tatsache, dass das Einkommen meist vom Partner bestritten wird werden muss, sind es doch meist die Mütter, die für die „Weiterversorgung der Kinder“ nach dem Kindergarten am Nachmittag verantwortlich sind.

Jammern gilt nicht – aber …

Nun nützt Jammern über die schlimmen Arbeitsbedingungen ja nicht weiter. Der Anteil an Frauen (30-40 Jahre) in der Tierärzteschaft lag 2011 bereits bei etwa 75 %. Das Problem betrifft also unter Umständen nahezu drei Viertel aller Tierärzte. Stattdessen sollte es doch möglich sein, Arbeitsbedingungen zu schaffen, die beides ermöglichen: Arbeit als praktische Tierärztin und Mutterdasein. Die Frage ist nur: Wie?

Ich habe dazu leider auch keinen Rat, mich würde aber interessieren, wie Ihr, meine Leser, das seht. Habt Ihr Erfahrungen oder Ideen?

[green_box]Dieser Beitrag wurde ursprünglich veröffentlicht am 26. Februar 2013 im Blog der Autorin und ist nun hierher „umgezogen“.[/green_box]

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Autor: Dr. Christina Lauer

Social-Media-Managerin | Bloggerin | Webdesignerin & Tierärztin | Gründerin von Praxismarketing Lauer

2 Kommentare

  1. Auf die Frage, ob es sich als Mutter einer kleinen Tochter lohne sich auf eine freiwerdende Stelle in einer Pferdeklinik zu bewerben sagte letztes Jahr der Leiter eben dieser zu einer Bekannten von mir: „Du, offiziell kann ich das natürlich nicht sagen, aber eine Frau mit Kind würde ich nie einstellen.“

  2. Hallo zusammen! Also ich habe das Glück, in einer Gemischtpraxis einen ganzen Tag in der Woche arbeiten zu können. Dort darf ich mich dann – gemäß meiner Leidenschaft -in der Rinderwelt beschäftigen. Zudem bin ich mit einem Landwirt verheiratet und kann mich tiermedizinisch zuhause „austoben“. Daß hat natürlich den Vorteil, daß mehrere Generationen unter einem Dach wohnen und der Vater fast immer zuhause ist, wenn auch schwer beschäftigt. ich bin in meiner alten Praxis nach der Elternzeit wieder angefangen, obwohl ich eine Wegstrecke von fast einer Stunde habe und die Arbeitszeit von acht bis neunzehn Uhr geht, mit zwei Stunden Mittagszeit, die ich dann dort verbringen muss. Diese Tage sind echt anstrengend, trotzdem möchte ich nicht darauf verzichten. Es hat ein wenig gedauert, bis sich alles eingespielt hat und es waren manche Kämpfe auszufechten, aber es hat sich gelohnt. Meine Chefs und Kollegen sind gottseidank so kooperativ, daß ich keine Notdienste machen muß. Mein ältester Sohn kommt im Sommer zur Schule, dann ändert sich vielleicht wieder etwas. Ich möchte dann nur noch freitags arbeiten, dann gibt es keine Hausaufgaben zu erledigen und es ist nicht so schlimm, wenn die Jungs abends spät ins Bett kommen! Ich hoffe, daß sich das realisieren läßt!

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