Tiermedizin ist weiblich

Zukunftskonzepte &-visionen

Anja Kranefeld

Verdienst, Weiterbildung & Aufstiegschancen in der Rinderpraxis

| 13 Kommentare

„Kalte Dusche oder warmer Regen“. Das war die Frage, die die Zuhörer am Freitag bei der 2. Veranstaltung von „Rin.da! – Frauen in die Nutztierpraxis“ am 17. Januar 2014 in Leipzig bewegte. Die Antworten gab unter anderem die betriebswirtschaftliche Beraterin für Tierärzte Anja Kranefeld aus Moisburg. Ernüchternd die Ergebnisse: Eine Vollzeit-Assistentin in der Nutztierpraxis verdient einen Bruttostundenlohn von 13,13 Euro. Aber immerhin: Denn ihre Kollegin aus der Kleintierpraxis landet bei 11,78 Euro. Wenig verwunderlich: Frauen verdienen im Schnitt 550 Euro weniger im Monat als ihre männlichen Kollegen.

Wer sich nun fragt, woran das liegt, der sollte sich die Vortragsfolien anschauen, die Frau Kranefeld freundlicherweise als Download zur Verfügung stellt. Lasst Euch überraschen …

»Vortragsfolien herunterladen (PDF)

Autor: Dr. Christina Lauer

Social-Media-Managerin | Bloggerin | Webdesignerin & Tierärztin | Gründerin von Praxismarketing Lauer

13 Kommentare

  1. Ist ja furchtbar! Solche Arbeitsbedingungen sind ja absolut indiskutabel. Egal ob mann oder Frau. Warum sollte eine Frau weniger als ein Mann verdienen?…muß ich nicht verstehn oder. Die Delegiertenversammlung des BTK vom November 2010 hat ein Anfangsgehalt von 3038 Euro brutto bei einer 40 Stdn.-Wo.- empfohlen. – Das war wohlgemerkt schon 2010… Dazu kommt Zeit und Geld für Fortbildung. …Darunter ist menschenverachtend und unterstützt marode und veraltete Praxisstrukturen, sozusagen eine Subvention schlechten Managements oder bei guter Praxisführung: eine Ausbeutung des Mitarbeiters (wo die Leibeigenschaft doch eigentlich abgeschafft ist).
    In der modernen Bundesrepublik mit ihrer fortschrittlichen tiermedizinischen Ausbildung absolut indiskutabel.
    Ich hoffe, ich habe nicht zu hart formuliert, aber sowas regt mich halt auf.

    VG

    Ingo

  2. Moin!

    Nachdem ich mich gestern aufgeregt habe…auf dem zweiten Blick sieht man mehr…Die Zahlen zur Beschäftigungssituation der angestellten TA sind von 2006

    Friedrich, B. J.: Untersuchungen zur privaten u. berufl.
    Situation von PraxisassistentInnen 2006

    Darf man das im Vortrag von 2014 so darstellen, der etwas über die aktuelle Situation aussagt, oder ist das ein Blick in die Geschichte?!

    2006 war ja noch vor der letzten GOT-Anpassung, die nun auch schon ne Weile her ist.

    VG

    Ingo

    • Ich fürchte, dass es gar nicht anders geht. Denn aktuelle Zahlen fehlen. Da ist in meinen Augen großer Bedarf.

    • Das Datenalter stellt einen berechtigten Kritikpunkt dar, andererseits handelt es sich um eine vergleichsweise große Datenbasis (rund 1.950 auswertbare Fragebögen im Rahmen einer Dissertation), die in diesem Umfang für die Folgejahre leider nicht verfügbar ist. Es handelt sich übrigens um mittlere (mediane) – nicht durchschnittliche – Gehälter.

      Die genannten Stundenlöhne beziehen sich auf die tatsächliche Arbeitszeit ohne Notdienste, die höher liegt als die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit von 40h/48h pro Woche. Ebenso ist es wichtig zu wissen, dass das mittlere Alter der AssistentInnen zum Zeitpunkt der Befragung 33 Jahre betrug.

      Diese Gehälter sind auch heute noch nicht ungewöhnlich, wie Beratungen und zahlreiche Gespräche mit AssistentInnen zeigen. Natürlich gibt es (regionale) Unterschiede, wie in jedem anderen Beruf auch.

      Maßgebliche Gehaltssteigerungen finden häufig erst nach vier bis fünf Jahren Berufstätigkeit bzw. entsprechender Praxiszugehörigkeit statt und müssen in der Regel aktiv von den AssistentInnen eingefordert werden. Hierbei werden flexible und nicht-monetäre Entgeltbestandteile bisher zu wenig berücksichtigt. Ebenso steht die hohe Fluktuationsrate sowohl einer mittel- bis langfristig ausgelegten Mitarbeiter- als auch Gehaltsentwicklung entgegen. Dabei sind die Fluktuationsgründe und wirtschaftlichen Möglichkeiten der Praxen – wie wir alle wissen – vielgestaltig und in einem zehnminütigen Vortrag nicht abschließend darstellbar.

      VG
      Anja Kranefeld

      • Ist ja krass! Wenn man die Inflationsrate berücksichtigt, um den Reallohn zu berechnen, dann hat der durchschnittliche angestellte TA/TÄ noch nie so weig verdient wie heute…oder verstehe ich Dich falsch?

        VG

  3. Jetzt kommentiere ich mich schon selber…:-)
    Interessant wäre eine Gegenüberstellung der beruflichen Situation unserer Klientel in der Kleintier- bzw. in der Rinderpraxis. Also: wo liegt das Durchschnittseinkommen des Bundesbürgers (Familie, 1 od 2 Kinder, beide berufstätig, Mitte od Anfang 30, grad neu gebaut und Auto gekauft9 und wo liegt der Durchschnittsverdienst des modernen Milcherzeugers (der, der Bestandsbetreuung möchte und braucht und bezahlen kann): der Unternehmertyp. neuer Stall so min 80 bis 120 / 150 Kühe?

    • Gern werden im Hinblick auf die Umsätze ja die Zahlen des Deutschen Heimtiermarktes zitiert, die dem „wir können von den Kunden nicht mehr Geld nehmen“ entgegengestellt werden. Hier die Umsatzzahlen 2012. Ob das eine sinnvolle „Ergänzung“ an Informationen ist, können wir gern diskutieren ;).

  4. Umsatz ist so ne Sache
    Ich denke das Freßnapfkonzept basiert darauf, dass man geschaut hat: Was möchte der Kunde? Wie sieht ein attraktives und modernes Produkt aus? Wichtig ist eine gute Dienstleistung. Dazu gehören Ausbildung, Engagement, viel Fortbildung und auch Idealismus. Von einem angestellten Tierarzt kann man eine gute Leistung nur erwarten, wenn der kollege vernünftig bezahlt wird. Den Begriff „vernünftig“ sollte man definieren, dazu ist vielleicht ein Vergleich mit anderen „ähnlichen “ berufsgruppen (Arzt) sinnvoll; ggf. ist es auch zur weiteren Einschätzung mal interessant zu schaun wo sonst so das Lohnniveau liegt (dazu der vgl mit dem Milcherzeuger bzw. mit dem Durchschnittskunden, soweit es den überhaupt gibt).Es kann nicht darum gehen die Leute abzuzocken, daher gefällt mir der Vgl mit dem Heimtiermarkt nicht. Eine tierärztliche Leistung in Diagnose, Beratung, Therapie sollte halt im Rahmen der Gebührenordnung abgerechnet werden, dann ergibt sich ein vernünftiges Einkommen zu nornmalen Arbeitsbedingungen und Zeiten für den angestellten Tierarzt von alleine. Wichtig ist auch immer zu schaun: Was möchte der Tierhalter? Ich denke in erster Linie eine vernünftige Diagnostik, freundliche Beratung und Therapie. Ganz einfach. Dann ist es ein toller Beruf und macht viel Spaß!

    • Was möchte der Kunde? Das ist in meinen Augen genau der richtige Ansatz. Es geht dabei nicht um Abzocke, sondern um zufriedene Kunden – und Mitarbeiter. Denn ein Kunde, der alle 6 Monate neue Tierärzte in der Praxis seines Vertrauens antrifft, wird sich auch fragen, ob er das auf Dauer gut findet. Und letztendlich geht es doch auch um zufriedene Praxisinhaber/innen. Da hilft die GOT in meinen Augen nur dann weiter, wenn ich geschaut habe, der wievielfache Satz denn meine Leistung tatsächlich abdeckt. Dann bin auch ich zufrieden. Da müssen dann aber alle an einem Strang ziehen :).

  5. Genau! Dem ist nix hinzuzufügen!

  6. Stellenangebot: Tierarzt als Krankheitsvertretung kurzfristig gesucht ab sofort für September

    Stellenbeschreibung:

    Die Tierarztpraxis liegt im Landkreis Cuxhaven.
    Der Schwerpunkt der Tätigkeit liegt im Kleintierbereich.
    Eine kleine aber feine Rinderpraxis gehört ebenfalls zur Praxis (Ultraschall, endoskop. OP der LLMV und der RLMV).

    Die Stelle ist ausdrücklich für Doktoranden bzw. Anfänger geeignet.
    Eine Mitarbeit im Rinderbereich ist freiwillig.

    Arbeitszeiten:

    Mo. – Fr. 09:00 bis 13:00 und 15:30 bis 19:30 Uhr

    Vergütung: 1.000 Euro, brutto pro Woche (Überstunden werden extra vergütet)
    Unterkunft kann in der Praxis gestellt werden.

    Tierarztpraxis Dorum
    Dr. Ingo Alpers
    Speckenstr.10
    27632 Dorum
    Tel.: 04742-926301
    Fax.: 04742-926302
    info@tierarzt-dorum.de

  7. Tolle Idee, diese Seite/Initiative!
    Da hätte ich fast Lust, mich zu engangieren, weil ich mich schon seit längerem nur noch aufrege über die ganze Gehaltssituation von Tierärzten, egal ob männlich oder weiblich.
    Mir ist es unbegreiflich, wie der bpt Gehaltsempfehlungen von 3300,- für einen „ausgelernten“ Tierarzt herausgeben kann. Das ist einfach eine Frechheit und ja durchaus NICHT üblich (also eher ein „gut“ bezahltes Gehalt), auch noch nicht in 2015!

    Ich bin genau aus diesem Grund eben nicht mehr in der Praxis, weil ich meiner Familie als Hauptverdienerin ein normales Leben, Haus, Auto und mindestens ein Familienurlaub/Jahr bieten wollte. Ich denke, dass kann ich als promovierte, studierte Akademikerin mit einem anspruchsvollen, verantwortungsvollen, herausfordernden und auch oft stressigen Job (den man ja in der Praxis definitiv hat!) auch verlangen. Mein Gehalt liegt bei knapp über 4000,- brutto, 13. Gehalt etc. Ganz ehrlich: ich wüsste nicht, wie wir oben beschriebenes mit recht viel weniger wuppen sollten.

    Trotzdem habe ich, weil ich die praktische Arbeit wirklich vermisse, es neulich gewagt, mich wieder in die (Gemischt-)Praxis zu bewerben. Und was für ein Gehalt wird geboten: Maximalstens 3500,- für Vollzeit, natülich inklusive Nachtdienste, Wochenenddienste….
    Das Arbeitszeitgesetz und Abrechnung nach Stunden ist den meisten Praxisinhabern nicht bekannt befürchte ich.
    Bedeutet für mich: entweder ich werde angemessen bezahlt, oder ich bleibe wo ich bin, wenn auch eher mit einem weinenden als mit einem lachenden Auge.

    Ich wünschte sehr, dass sich das irgendwann ändert, ich denke, ich werde es in meiner Karriere nicht mehr erleben (und ich bin Ende 30).

    Vielleicht müssten noch mehr Artikel darüber im grünen Heinrich oder so erscheinen, bis den Praxisinhabern ein Licht aufgeht, dass nämlich oben beschriebenes Konzept (Kundenbindung durch gleichbleibendes, gut eingespieltes und versiertes Team) letztendlich zu höherem Umsatz und zur Verringerung der Gefahr eines neuen Nachbarkollegen in Gestalt des ehemaligen Assistenten führt!

    • Hallo,

      nur interessehalber: in welchem Bereich sind Sie denn jetzt tätig?
      Ich trage mich mit ähnlichen Gedanken, auch da ich schon eine Berufsausbildung und mehrjährige Arbeitserfahrung als TA (mit deutlich besserem Gehalt) vorweisen kann..

      Mit freundlichem Gruß!

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.