Tiermedizin ist weiblich

Zukunftskonzepte &-visionen

Tiermedizin ist weiblich! Wo ist das Problem?

| 1 Kommentar

Hoch motiviert vom unvorhergesehenen Erfolg unserer Facebookseite soll es nun zum Jahresbeginn rege werden auf Tiermedizin ist weiblich. Den Anfang macht ein Beitrag über die Gründe, warum es eigentlich dazu kam, diese Seite ins Leben zu rufen. Gar nicht so einfach, das in einen „kurzen“ Beitrag zu fassen. In diesem Beitrag erfahrt Ihr also mehr über das Phänomen „Tiermedizin ist weiblich“.

Männer sind im Studium die „Exoten“

Fangen wir an mit einem Blick auf die derzeitige Situation an den Universitäten: Alljährlich veröffentlicht die Bundestierärztekammer ihre Statistiken zur Tiermedizinerschaft. Darunter auch die Studienanfängerzahlen. Die Zahlen zu 2013 werden erst in ein paar Wochen veröffentlich, daher beziehe ich mich auf die Statistiken des Jahres 2012. Von 1084 Studienanfängern waren 963 weiblich. Das ist ein Frauenanteil von 89 %. Allerdings ist dies kein neues Phänomen, denn bereits vor 10 Jahren wollte kaum ein Mann dieses Studium ergreifen.

Wie geht es nach dem Studium weiter?

Da das Studium in der Regel von allen Studierenden früher oder später mit dem Staatsexamen abgeschlossen wird, strömen folglich immer mehr Frauen auf den tiermedizinischen Arbeitsmarkt. Logisch. Interessanterweise wendet sich dann aber das Blatt:

Selbstständig? Nein danke!

2012 waren 43 % aller Tierärzte (Frauen wie Männer) selbstständig. Schaut man sich dann aber die Statistiken der weiblichen Tierärzte an, zeigt sich, dass nur ein Drittel aller Tierärztinnen den Schritt in die Selbstständigkeit wagt. Bei den männlichen Kollegen sind es dagegen zwei Drittel.

Was bedeutet das? Offenbar ist die Selbstständigkeit für Tierärztinnen wenig attraktiv. Über die Gründe kann nur spekuliert werden, da es meines Wissens dazu keine Untersuchungen gibt: „Selbst“ und „ständig“ ist für Frauen im Alter von etwa 30-35 Jahren (nach gut 6 Jahren Studium und ggf. nachfolgender min. 3-jähriger Promotionszeit, gefolgt von einer Assistentenzeit von – gemutmaßt – 5 Jahren) kein guter Anreiz. Schließlich tickt die biologische Uhr. Und junge Familie und Praxisneugründung unter einen Hut zu bringen, ist sicher keine kleine Herausforderung. Hinzu kommt, dass 75% aller Praxen Ein-Mann- oder Ein-Frau-Praxen sind. Keine gute Basis, um nebenbei Kinder groß zu ziehen.

Die Alternative: Das Angestelltenverhältnis!?

Eine Alternative ist da das Angestelltenverhältnis, sollte man meinen. In der Tat ist jede dritte Tierärztin in einer Praxis angestellt – jedoch nur jeder 10. Tierarzt.  Aber was ist mit den restlichen Tierärztinnen, die sich weder selbstständig machen noch als Praxisassistentin angestellt sind?

Oder doch lieber aufs Amt oder in die Pharmaindustrie?

Der öffentliche Dienst und die Industrie sind in der Tat eine Alternative. Vermutlich auch, weil hier vordergründig geregeltere Arbeitszeiten locken. Ob das tatsächlich so ist, werden wir sicher hier im Blog noch einmal durchleuchten. Tatsache ist, dass rund 17 % der Frauen im öffentlichen Dienst und 5 % in der Industrie arbeiten. Doch eine Sache ist in meinen Augen viel „erschreckender“.

„Nicht tierärztlich tätig“

Jede 5. Tierärztin ist laut Statistik „nicht tierärztlich tätig“. Dahinter verbergen sich zwar auch diejenigen, die in Elternzeit oder arbeitslos sind (3 %). Ein großer Teil scheint sich allerdings irgendwann im Laufe der Zeit nach dem Studium gegen den Beruf der Tierärztin mit allen ihren Jobalternativen wie Amt oder Industrie zu entscheiden. Und die Tendenz ist steigend.

Was bedeutet das also?

Fassen wir es also noch einmal kurz zusammen:

  • Immer mehr Frauen studieren Tiermedizin. 2012 waren 89 % der Studienanfänger weiblich.
  • Nur ein Drittel der Tierärztinnen entscheidet sich für eine Selbstständigkeit, ein weiteres Drittel für das Angestelltendasein.
  • Und immer mehr Tierärztinnen entscheiden sich irgendwann dagegen, als Tierärztin zu arbeiten.

Nüchtern betrachtet, sind das erschreckende Zahlen. Deshalb soll diese Plattform dazu dienen, Meinungen und Erfahrungen zu sammeln.

[green_box]Ich würde mich deshalb sehr freuen, wenn Ihr bereit wäret, Eure Geschichte hier, z. B. als Kommentar, offenzulegen. Gern könnt Ihr das auch anonym unter Angabe eines fiktiven Namens machen (Eure E-Mail-Adresse wird NICHT veröffentlicht). Was hat Euch bewegt, den Beruf der Tierärztin entweder an den Nagel zu hängen – oder vielleicht eben nicht. Bitte beteiligt Euch. Eure Erfahrungen können vielleicht helfen, die Zukunft der Tiermedizin mitzugestalten. Dafür möchte ich Euch in jeder Hinsicht danken.[/green_box]

Foto: © NinaMalyna – Fotolia.com

Autor: Dr. Christina Lauer

Social-Media-Managerin | Bloggerin | Webdesignerin & Tierärztin | Gründerin von Praxismarketing Lauer

Ein Kommentar

  1. Ihr Artikel besteht aus der Verwechslung von Ursache und Wirkung!

    „denn bereits vor 10 Jahren wollte kaum ein Mann dieses Studium ergreifen“.

    Das ist doch nicht wahr! Es gibt genügend Männer die gerne das Veterinärstudium ergreifen würden. Aber sie werden nicht zugelassen, da sie an dem Aufnahmekriterium Numerus Clausus von 1,2 scheitern.

    Da haben Frauen die Nase vorne. Allerdings sagt der NC nichts darüber aus, wie geeignet man für diesen Beruf ist.
    Dennoch, es studieren viele Frauen Veterinärmedizin, mit dem Wunsch hernach in Kleintierpraxen zu arbeiten. Nur hier sind die Stellen begrenzt. Aufs Land mit Großtieren wollen allerdings die wenigsten Frauen, weil ihnen das zu anstrengend ist. So werden viele Frauen arbeitslos und gehen in die Statistik ein: „Frauen sind besser ausgebildet, haben aber weniger Arbeit“.

    In Österreich ist es übrigens umgekehrt. Da gibt es eine Eignungsprüfung für das Veterinärmedizinstudium und dabei schneiden Männer wesentlich besser ab. Hier allerdings denkt man über eine Frauenquote nach.

    Kurios und sehr lebensfremd ist unsere Politik heute!

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Diese Seite verwendet Cookies. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Wenn Du die Einstellungen ändern oder mehr darüber erfahren möchtest, dann klicke auf die Datenschutzerklärung.

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen